Mein Freund ist Instagram-süchtig: Was du tun kannst

Mein Freund ist Instagram-süchtig: Was du tun kannst

Ihr sitzt zusammen beim Essen, endlich mal wieder nur ihr zwei. Bevor du den ersten Bissen nimmst, hat er schon ein Foto gemacht. Zwischendurch hält er dir lachend ein Reel hin, du lächelst mit, er scrollt weiter. Auf dem Heimweg merkst du, dass er dir an diesem Abend mehr Videos gezeigt als Fragen gestellt hat.

Wenn du deshalb nach "mein Freund ist Instagram-süchtig" suchst, ist das kein Zeichen, dass du klammerst oder zu viel willst. Du willst ihn. Das ist ein völlig normales Bedürfnis in einer Beziehung.

Wir kennen das Gefühl, mit einer App um Aufmerksamkeit zu konkurrieren. In diesem Artikel geht es darum, was Instagram so schwer loszulassen macht, was dich genau daran stört und wie ihr etwas ändern könnt, ohne dass du zur Aufpasserin wirst.

Warum gerade Instagram so festhält

Instagram ist kein Zufallsprodukt. Die App ist darauf gebaut, möglichst lange geöffnet zu bleiben. Reels laufen ohne Ende, eins nach dem anderen. Stories verschwinden nach einem Tag, also hat man das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn man nicht reinschaut. Und jedes Herz unter einem eigenen Beitrag ist eine kleine Bestätigung, auf die man gern wartet.

Dazu kommt, dass Instagram für viele mehr ist als Unterhaltung. Dort sind die Freunde, die Insider-Witze, die Gruppen-Chats, das, worüber am nächsten Tag geredet wird. Wer die App zumacht, hat manchmal das Gefühl, sich von seinen Leuten abzumelden.

Das erklärt, warum ein schlichtes "Leg das doch mal weg" so selten wirkt. Der Sog ist echt, und er trifft auch Menschen, die eigentlich gar nicht so viel Zeit dort verbringen wollen. Wie dieser Sog genau funktioniert, und zwar für beide Seiten, erklären wir in Warum Aufhören beim Scrollen so schwer ist.

Was genau stört dich eigentlich?

Hinter dem Satz "Er ist Instagram-süchtig" verstecken sich oft mehrere Dinge auf einmal. Wenn du sie auseinandersortierst, wird viel klarer, was du dir wünschst und was du ansprechen willst.

Was dich stört Woran du es merkst Worum es eigentlich geht Was hilft
Die Menge an Zeit Abends, morgens, in jeder Pause ist die App offen Ihr habt zu wenig gemeinsame Zeit ohne Ablenkung Feste kleine Zeiten ohne Handy, die für beide gelten
Die Aufmerksamkeit im Moment Beim Date, beim Reden, im Bett schaut er aufs Display Du fühlst dich nicht gemeint Ein klares Signal, wenn du ihn gerade brauchst
Was er sich anschaut Er folgt vielen Frauen, likt Bilder, die dich verunsichern Unsicherheit und Eifersucht Ein eigenes Gespräch darüber, getrennt vom Zeit-Thema
Wie wichtig ihm Likes sind Er postet viel und checkt ständig, wer reagiert Sein Selbstwert hängt spürbar an der App Interesse statt Spott, nachfragen, was ihm das gibt
Wie er danach drauf ist Nach dem Scrollen wirkt er gereizt oder niedergeschlagen Die App tut ihm selbst nicht gut Ihn darauf ansprechen, aus Sorge, ohne Vorwurf

Viele finden sich in zwei oder drei Zeilen wieder. Das ist normal. Wichtig ist nur, nicht alles in ein Gespräch zu packen. Wenn es dir vor allem um die Frauen geht, denen er folgt, ist das ein eigenes Thema, das mit Zeit wenig zu tun hat. Dazu haben wir einen eigenen Text geschrieben: Eifersüchtig aufs Handy des Partners.

Ist das schon Sucht?

Das Wort fällt schnell, und es ist verständlich, wenn er gefühlt nie ohne die App ist. Fachlich ist es aber vorsichtiger zu sehen. Eine eigene Diagnose für Instagram- oder Handysucht gibt es im internationalen Krankheitsverzeichnis ICD-11 nicht. Fachleute sprechen eher von problematischer Nutzung, wenn jemand die Kontrolle darüber verliert, andere Lebensbereiche darunter leiden und er trotz deutlicher Nachteile nicht aufhören kann.

Das kannst du von außen nicht beurteilen, und das musst du auch nicht. Wie du deine Sorge einordnest, ohne ihm eine Diagnose zu verpassen, und was du für dich tun kannst, steht ausführlich in Mein Partner ist handysüchtig: Was ich tun kann.

Reels können auch eine Brücke sein

Hier ist ein Gedanke, der vielleicht überrascht. Wenn er dir ein Reel zeigt oder schickt, ist das oft keine Ablenkung von dir. Es ist ein kleiner Versuch, etwas mit dir zu teilen. "Schau mal, das ist so wie wir." "Das musst du sehen." Für viele ist das ihre Art zu sagen: Ich denke an dich.

Das Problem ist nicht das Reel. Das Problem entsteht, wenn danach nichts mehr kommt, wenn das Teilen das Gespräch ersetzt, statt es anzustoßen. Du kannst genau dort ansetzen. Reagier auf das Video mit einer Frage. "Warum musstest du dabei an uns denken?" Oft entsteht daraus mehr als aus jedem Appell.

Was du besser lässt

Manche Reaktionen liegen nahe, wenn man sich übergangen fühlt. Sie machen es aber fast immer schwerer.

Sein Profil und seine Likes überwachen. Wer nachts nachschaut, wem er gefolgt ist und was er gelikt hat, wird selbst immer unruhiger. Und wenn er es merkt, geht es nur noch um dein Kontrollieren, nicht mehr um euch.

Spott über die App. Sätze wie "Na, wieder bei deinen Reels?" fühlen sich im Moment gut an. Sie sorgen aber dafür, dass er die App verteidigt und sich weiter zurückzieht.

Ihm das Handy wegnehmen. Auch im Spaß. Es macht dich zur Erzieherin, und diese Rolle willst du in einer Beziehung nicht haben.

Selbst demonstrativ scrollen. "Dann mache ich das eben auch" ist verständlich. Am Ende sitzt ihr dann zu zweit am Display, und keiner hat bekommen, was er wollte.

So geht ihr vor

  1. Für dich klären, was dich am meisten stört. Nimm dir die Tabelle oben und such dir die eine Zeile aus, die am meisten wehtut. Mit dieser einen Sache fängst du an.
  2. Einen ruhigen Moment wählen. Nicht, während er scrollt, und nicht direkt nach einem Abend, an dem du dich übergangen gefühlt hast.
  3. Mit dem Schönen anfangen. Sag ihm, was du an euren Momenten magst. "Ich liebe es, mit dir essen zu gehen. Ich hätte dich dabei nur gern ganz."
  4. Einen konkreten Moment vorschlagen. Zum Beispiel Dates und gemeinsames Essen ohne Handy auf dem Tisch. Ein Foto am Anfang ist erlaubt, danach kommt es weg. Kleine, klare Absprachen halten besser als große.
  5. Die Selbststeuerung bei ihm lassen. Wenn er weniger auf Instagram sein will, kann er Zeitlimits oder Pausen-Erinnerungen am Handy einstellen oder Benachrichtigungen ausschalten. Das entscheidet er, nicht du. Was er selbst wählt, hält länger.
  6. Nach zwei Wochen nachfragen. Wie fühlt es sich für ihn an? Was hat geklappt? Passt die Absprache an, statt sie aufzugeben.

Von der anderen Seite des Sofas

Stell dir vor, wie es für ihn sein könnte. Instagram ist für ihn vielleicht der Ort, an dem er abschaltet, lacht und mit seinen Freunden verbunden ist. Wenn du sagst "Du bist süchtig", hört er womöglich: "Was dir Spaß macht, ist falsch." Dann verteidigt er die App, obwohl er dir eigentlich gar nicht widersprechen will.

Viele, die viel scrollen, finden das selbst nicht gut. Sie ärgern sich über verlorene Abende und wissen nicht, wie sie da rauskommen. Wenn du ihm zeigst, dass du ihn verstehst, wird es für ihn leichter, ehrlich zu sein.

Wenn es um mehr geht

Manchmal ist die App ein Zeichen für etwas anderes. Wenn er sich stark mit anderen vergleicht, nach dem Scrollen oft gedrückt wirkt, schlecht schläft oder sich auch von Freunden im echten Leben zurückzieht, dann geht es vielleicht um seinen Selbstwert oder seine Stimmung. Dann ist Fürsorge wichtiger als jede Absprache. Ein Gespräch mit der Hausarztpraxis oder einer Beratungsstelle kann helfen.

Instagram zeigt vor allem die schönsten Ausschnitte aus fremden Leben. Wer viel davon sieht, misst sich leicht daran, am eigenen Körper, am eigenen Job, auch an der eigenen Beziehung. Das gilt übrigens für dich genauso. Wenn dich die perfekten Paare im Feed verunsichern, ist das kein Zeichen von Schwäche. Diese Bilder machen das mit fast allen. Sorg dann auch gut für dich.

Was bleibt

Du musst nicht gegen Instagram gewinnen. Du darfst sagen, dass du ihn vermisst, eine kleine Absprache vorschlagen und die guten Seiten der App sogar für euch nutzen. Mehr zum Thema findest du auf unserer Seite Handy in der Beziehung.

Was uns als Paar geholfen hat, haben wir in fünf kleinen Gewohnheiten aufgeschrieben.

Häufige Fragen

Kann man wirklich Instagram-süchtig sein? Eine eigene Diagnose dafür gibt es nicht. Fachleute sprechen von problematischer Nutzung, wenn jemand die Kontrolle verliert, andere Lebensbereiche leiden und er trotz Nachteilen weitermacht. Ob das zutrifft, lässt sich nur im Gespräch und im Zweifel mit fachlicher Hilfe klären.

Mein Freund schickt mir ständig Reels, redet aber kaum mit mir. Was heißt das? Oft ist das Schicken seine Art, Nähe zu zeigen. Es ersetzt nur gerade das Gespräch. Nimm das Reel als Anlass und stell eine Frage dazu. So wird aus dem Teilen wieder ein Austausch.

Er folgt vielen Frauen auf Instagram. Ist das dasselbe Problem? Nein, das ist ein anderes Thema. Bei der Zeit geht es um Aufmerksamkeit, bei den Inhalten um Unsicherheit und Vertrauen. Sprich beides getrennt an, sonst vermischt sich alles zu einem großen Streit.

Ich bin selbst ständig auf Instagram, und mein Freund beschwert sich. Was kann ich tun? Frag ihn, in welchen Momenten es ihm am meisten fehlt. Meist sind es zwei oder drei feste Situationen. Probier dort ein paar Tage ohne Handy aus und schalte die Benachrichtigungen ab. Du musst die App nicht löschen, um ihm zu zeigen, dass er dir wichtiger ist.

Wir haben keine Kinder und wohnen noch nicht zusammen. Ist das trotzdem ein Thema für uns? Ja, gerade dann. Wenn ihr euch nicht jeden Tag seht, zählt die gemeinsame Zeit doppelt. Ein handyfreies Date ist ein guter Anfang, weil es klar begrenzt ist und sich leicht vereinbaren lässt.

Soll ich von ihm verlangen, dass er Instagram löscht? Davon raten wir ab. Eine Forderung erzeugt Trotz, und die App ist für viele auch der Draht zu Freunden. Besser wirkt eine kleine Absprache für bestimmte Momente, die für euch beide gilt.

← Zurück zum Blog